CHAKRAS

oder auch Chakren genannt, sind die Energiezentren des Körpers

Im Yoga wird davon ausgegangen, dass der menschliche Körper nicht nur aus sichtbaren Strukturen besteht, sondern auch aus einem feinen Energiesystem. In diesem System spielen die sogenannten Chakras eine zentrale Rolle. Sie können als innere Energiezentren verstanden werden, die mit bestimmten körperlichen, emotionalen und geistigen Prozessen in Verbindung stehen.

Die Chakren liegen entlang eines zentralen Energiekanals, der im Yoga als Sushumna bezeichnet wird. Dieser verläuft entlang der Wirbelsäule – vom Beckenboden bis zum Scheitel. Ziel vieler Yoga- und Meditationspraktiken ist es, den Energiefluss in diesem Kanal zu harmonisieren.

Energielenkung und Blockaden

Wenn Energie frei fließen kann, wird dies mit Ausgeglichenheit, Vitalität und innerer Stabilität in Verbindung gebracht. Ist dieser Fluss gestört – etwa durch Stress, emotionale Belastungen oder körperliche Spannungen – spricht man von „Blockaden“. Diese können sich sowohl körperlich (z. B. Verspannungen, Erschöpfung) als auch psychisch (z. B. Unruhe, Antriebslosigkeit) bemerkbar machen.

 

 

Die 7 Haupt-Chakras 

1. Wurzelchakra (Muladhara) – Wurzelzentrum

 

Ort: Beckenboden / Damm
Themen: Sicherheit, Stabilität, Urvertrauen
Körperlich: Beine, Füße, Beckenboden
Psychisch: Existenzängste, Unsicherheit

Alltagsbeispiel bei möglicher Blockade: Sie fühlen sich häufig unsicher, schnell überfordert oder „nicht richtig geerdet“.

 

 

2. Sakralchakra (Svadhisthana) – Sakralzentrum

Ort: Unterbauch
Themen: Gefühle, Sinnlichkeit, Kreativität
Körperlich: Flüssigkeitshaushalt, Geschlechtsorgane
Psychisch: Lust, Freude, emotionale Beweglichkeit

Alltagsbeispiel: Sie empfinden wenig Freude, fühlen sich emotional  „abgeschnitten“ oder haben Schwierigkeiten, Nähe zuzulassen.

 

3. Solarplexuschakra (Manipura) – Nabelzentrum

 

Ort: Oberbauch
Themen: Selbstbewusstsein, Willenskraft
Körperlich: Verdauung, Stoffwechsel
Psychisch: Durchsetzungsvermögen, innere Stärke

 

Alltagsbeispiel: Sie zweifeln oft an sich selbst oder haben Schwierigkeiten, Entscheidungen zu treffen.

 

4. Herzchakra (Anahata) – Herzzentrum

Ort: Brustbereich
Themen: Liebe, Mitgefühl, Verbindung
Körperlich: Herz, Lunge
Psychisch: Beziehungen, Empathie

Alltagsbeispiel: Sie ziehen sich emotional zurück oder haben  Schwierigkeiten, Vertrauen aufzubauen.

 

5. Halschakra (Vishuddha) - Kehlzentum

 

Ort: Hals
Themen: Kommunikation, Ausdruck
Körperlich: Stimme, Halsbereich
Psychisch: Ehrlichkeit, Selbstausdruck

Alltagsbeispiel: Sie sagen häufig nicht, was Sie wirklich denken oder fühlen sich „nicht gehört“.

6. Stirnchakra (Ajna) - Drittes Auge

Ort: Zwischen den Augenbrauen
Themen: Intuition, Klarheit
Körperlich: Nervensystem, Augen
Psychisch: Einsicht, Vorstellungskraft

                                   

Alltagsbeispiel: Sie fühlen sich innerlich orientierungslos oder haben Schwierigkeiten, klare Entscheidungen zu treffen.

7. Kronenchakra (Sahasrara) – Scheitelzentrum

 

Ort: Scheitelpunkt des Kopfes
Themen: Bewusstsein, Sinn, Verbundenheit
Körperlich: Gehirn
Psychisch: Vertrauen ins Leben, Sinnfragen

Alltagsbeispiel: Sie empfinden Ihr Leben als sinnentleert oder fühlen sich innerlich abgeschnitten.

Die Chakrenlehre bietet eine Möglichkeit, körperliche und seelische Prozesse ganzheitlich zu betrachten. Sie ersetzt keine medizinische Diagnostik, kann jedoch dabei unterstützen, ein feineres Gespür für den eigenen Körper und innere Zustände zu entwickeln.

Gerade im Zusammenspiel mit Atem, Bewegung und gezielter Wahrnehmung – wie etwa im Yoga – kann dieses Modell helfen, Zusammenhänge besser zu verstehen und bewusster mit sich selbst umzugehen.

Das Energiepotenzial des Beckens

Im Yoga wird davon ausgegangen, dass es im Körper Bereiche gibt, in denen sich Energie besonders bündelt. Diese sogenannten „Chakren“ können Sie sich vereinfacht wie innere Zentren vorstellen, die mit bestimmten körperlichen und emotionalen Themen in Verbindung stehen.

Für den Beckenbereich sind vor allem zwei dieser Zentren von Bedeutung:

  • Wurzelchakra (Muladhara) – im Bereich des Beckenbodens/Damms
  • Sakralchakra (Svadhisthana) – im Unterbauch, nahe der Geschlechtsorgane

Das Wurzelchakra wird mit Stabilität, Sicherheit und grundlegenden Bedürfnissen in Verbindung gebracht.

Das Sakralchakra steht eher für Bewegung, Gefühle, Sinnlichkeit und Lebensfreude. Beide Bereiche sind eng mit dem körperlichen Empfinden im Becken verbunden.

Mulabandha und die unteren Chakren

Im Yoga gibt es bestimmte Techniken, bei denen gezielt Muskelbereiche angespannt werden. Diese werden als „Bandhas“ bezeichnet. Eine davon ist Mulabandha, der sogenannte „Wurzelverschluss“.

Dabei wird der Bereich des Beckenbodens sanft nach innen und oben gezogen. Ziel ist es, die Aufmerksamkeit in diesen Bereich zu lenken, die Aktivität im unteren Körperzentrum zu unterstützen und die Energie durch die Wirbelsäule nach oben zu lenken.

Mulabandha wird traditionell mit dem Wurzelchakra in Verbindung gebracht. Durch die bewusste Aktivierung dieses Bereichs soll ein Gefühl von Stabilität, Zentrierung und innerer Kraft entstehen. Gleichzeitig kann auch das darüberliegende Sakralchakra angesprochen werden, da beide funktionell eng miteinander verbunden sind.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede:
Mulabandha und Beckenbodentraining

Auf den ersten Blick ähnelt Mulabandha einem klassischen Beckenbodentraining – und tatsächlich gibt es Überschneidungen:

Gemeinsamkeiten:

  • In beiden Fällen werden Muskeln im Beckenboden bewusst angespannt
  • Die Wahrnehmung für diesen Bereich wird verbessert
  • Die Kontrolle über die Muskulatur kann sich erhöhen

Unterschiede:

  • Beim Beckenbodentraining steht die körperliche Funktion im Vordergrund (z. B. Kontinenz, Stabilität, Kräftigung der Muskulatur)
  • Beim Beckenbodentraining wird die BB-Muskulatur ganz gezielt angesteuert und die Wahrnehmung wird mehr darauf gerichtet, welcher Bereich kontrahiert wird , wie lange kann er gehalten werden, wie tief kann er nach innen gezogen werden und was genau wird gespürt
  • Dazu fehlt im Yoga die Zeit, weil Mulabandha kein explizites BB-Training ist, sondern einen Teil einer Übung darstellt, mit dem Ziel, den Energiefluss zu steuern. Daher liegt der Fokus eher bei der Energielenkung 
  • Mulabandha wird zusätzlich im Zusammenhang mit Atmung, Konzentration und innerer Wahrnehmung angewendet. Mulabhanda wird sowohl mit eingehaltenem Atem, als auch mit ausgehaltenem Atem angespannt
  • Die Anspannung bei Mulabandha ist meist feiner, subtiler und weniger kraftbetont

Beide Ansätze können sich sinnvoll ergänzen: Während das gezielte Training die Muskulatur stärkt, kann Mulabandha helfen, ein differenzierteres Körpergefühl zu entwickeln.

Yoga ist als ein Gesamtkonzept zu verstehen, welches sich auf allen Ebenen des Seins auswirkt. Es sollte nicht als reine Gymnastik gesehen werden, denn das wird ihm nicht gerecht. Es beschreibt eher einen Weg, sich selbst etwas näher zu kommen, während der Körper das Vehikel dazu ist. Yoga kann helfen, die Körper-Wahrnehmung zu steigern, beweglicher zu werden und mehr Energie zu bekommen, während das Nervensystem harmonisiert wird.

 

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           Quellen
  • Bhajan, Yogi: The Aquarian Teacher – KRI International Teacher Training Manual
  • Bhajan, Yogi: Kundalini Yoga Sadhana Guidelines
  • Khalsa, Shakti Parwha Kaur: Kundalini Yoga – The Flow of Eternal Power
  • Singh, Guru Prem: Lehrmaterialien Kundalini Research Institute (KRI)
  • Judith, Anodea: Eastern Body, Western Mind
  • Muktibodhananda, Swami: Hatha Yoga Pradipika
  • Hatha Yoga Pradipika (klassischer Yoga-Text)
  • Iyengar, B.K.S.: Light on Yoga
  • Judith Anodea: Chakra-Handbuch
  • Muktibodhananda, Swami: Hatha Yoga Pradipika (Kommentar)
  • Upledger, John: Craniosacrale Therapie (Bezug zu Körperwahrnehmung)
  • International Continence Society (ICS) – Grundlagen zur Beckenbodenfunktion

„Vertrauen zu sich selbst ist Kraft,
und Kraft ist Freude,
und Freude ist Leben,
und Leben ist Schaffen,
und Schaffen ist Sieg.“

Cäsar Flaischlen